Abo B

KETTEN DER LIEBE

09.10.2019
Komödie von Tom Gerhard/Fraunz Krause
mit Tom Gerhard, Dustin Semmelrogge u.a.
Regie: René Heinersdorf
Theater am Dom Köln

© Foto: Dennis Haentzschel

Dem Publikum der Kulturgemeinde ist der „Trottel–Terminator“ Mathias Bommes (Tom Gerhardt) schon aus der Komödie „Dinner für Spinner“ bekannt. Nun ist er wieder da und fabriziert erneut einen Fettnäpfchen–Marathon in bester Tom Gerhardt-Manier: Sein neues Opfer ist der Softrock–Star Andy Roth, dessen Kuschelsongs die Fans zu Tränen rühren. Sein Image ist das des total ehrlichen Sängers, der seine Fans versteht und ihnen so nah ist wie kein anderer. In Wirklichkeit ist er jedoch ein arroganter Choleriker, eine egoistische Diva und betrügt ohne Skrupel seine Ehefrau mit seiner Agentin und diversen Groupies. Auch Mathias Bommes ist großer Andy Roth–Fan und kann sein Glück kaum fassen, als er ein Treffen mit dem Sänger gewinnt, das zwei Stunden vor dem Eröffnungskonzert der neuen Tournee Roths stattfindet. Noch ehe der Musiker sein Veto einlegen kann, steht Hardcore–Fan Bommes in seiner Garderobe, und innerhalb von zwei Stunden schafft es der gutmütige Tollpatsch, Leben und Ruf des Sängers beinahe komplett zu ruinieren. Tom Gerhardt glänzt als Bommes, der dem „Voll normal“–Star an Tollpatschigkeit lässig das Wasser reicht. Daneben taucht er noch als Hausmeister Krause auf und verhampelt, als er im Konzert als Friedenstaube einspringen muss, so ziemlich alles. Dustin Semmelrogge gibt den exzentrischen und komplett durchgeknallten Musikstar mit fast schon sympathischer Intensität. Ein Abend mit Katastrophencharakter, stürmisch, lustig, kurzweilig und zum Brüllen komisch.

FISCH ZU VIERT

15.11.2019
Kriminalkomödie von Wolfgang Kohlhaase/Rita Zimmer 
mit dem Ensemble des Berliner Kriminal Theater 
Regie: Matti Wien 
Berliner Kriminal Theater

© Foto: Herbert Schulze
Tatort: Ein märkisches Landhaus im Jahre 1838. Dreißig Jahre lang hat es Diener Rudolf bei den drei betuchten Berliner Brauerei-Töchtern im hochherrschaftlichen Hause Heckendorf ausgehalten. Jeden Wunsch las er Charlotte, Cäcilie und Clementine von den Augen ab, war ihnen diskret auch nächtens zu Diensten und nicht abgeneigt, eines Tages eine jede zu beerben. Schließlich will er seiner Domestikenrolle entfliehen und auf Weltreise gehen. Dazu braucht er die versprochenen Erbschaften. Als er nun vorzeitig um Auszahlung bittet, will keine Schwester mehr von ihrem Versprechen wissen. Die vereinsamten höheren Töchter wollen sich keinesfalls zu Lebzeiten von ihrem Geld trennen - dann schon eher von Rudolf. Als gegenseitige Erpressungen nicht fruchten, ersinnt man handfestere Methoden, um einander stillschweigend loszuwerden. Beim sonntäglichen Fischschmaus nimmt das Schicksal seinen Lauf. Eine schwarze Komödie voller Ironie und Spannung, eine Arsen-und Spitzenhöschen-Frivolität aus der Welt von Herr und Knecht. „Fisch zu Viert“ ist eine der erfolgreichsten Kriminalkomödien und hat auch 40 Jahre nach seiner Uraufführung nichts an Tempo, Sprachwitz und galligem Humor verloren. Wieder einmal gastiert das in diesem Genre einzigartige Berliner Kriminaltheater bei der Kulturgemeinde und liefert ein intrigantes Spiel um List, Habgier, Frivolität, Lüge und Mord jenseits der so trögen Krimi-Attitüde von Der-Mörder-ist- immer-der-Gärtner.

BELLA FIGURA

16.01.2020
Beziehungskomödie von Yasmina Reza 
mit Doris Kunstmann, Heio von Stetten u.a. 
Regie: Thomas Goritzki 
EURO-STUDIO Landgraf
© Foto: Lored ana La Rocca
Eigentlich will der nicht nur von Liebes-, sondern auch von Firmen-Insolvenz bedrohte Mittvierziger Boris nur mit seiner ohnehin von ihm genervten Geliebten Andrea vor dem geplanten Schäferstündchen Essen gehen. Doch heute Abend hat der langjährige Fremdgeher Pech. Auf dem Parkplatz fährt er die zukünftige Schwiegermutter von Franҫoise an, der besten Freundin seiner Frau. Der alten Dame, deren Geburtstag heute gefeiert werden soll, ist zwar nichts passiert, doch plötzlich stehen Andrea und Boris vor Franҫoise, ihrem Freund Eric und dessen Mutter Yvonne und fühlen sich genötigt, „bella figura“ zu machen. Da ja glücklicherweise nichts passiert ist, lädt das Geburtstagskind umgehend Boris und Andrea ein, gemeinsam zu feiern. Ab jetzt wird der Abend für Boris endgültig zum Horrortrip, zum reinsten Fegefeuer der Peinlichkeiten und Fettnäpfchen. Yasmina Rezas bitter-unterhaltsamen Szenen aus der Paar- und Gesellschaftshölle – Reza zählt zu den wenigen Autoren von heute, die Literatur noch als sprachliches Kunstwerk ernstnehmen, für sie als Französin ganz in der Tradition von Flaubert und Stendhal – zeigen aufs Schönste, wie die mühsam aufrecht erhaltene Fassade des guten Benehmens zu bröckeln beginnt, wie sich eine perfekt gebaute Komödie des eskalierenden Horrors entfaltet – ganz zum Amüsement der Zuschauer. Glänzende Unterhaltung auf hohem Niveau und mit Doris Kunstmann, Julia Hausen, Heio von Stetten u.a. fantastisch besetzt!

DIESE NACHT - ODER NIE!

26.03.2020
Komödie von Laurent Ruquir 
mit Isabell Varell und Heiko Ruprecht 
Regie: Ulf Dietrich 
Münchner Tournee
© Foto: Jürgen Frahm
Die fröhlich–freche Floristin Charlotte liebt Schlager und Chansons, und sie liebt Valentin. Seit fünf Jahren. Doch der sieht in ihr nur einen Kumpel, einen Freund, mit dem man unkomplizierte Abende vor dem Fernseher oder beim Fußball verbringen kann, mehr nicht. All die Jahre hatte Charlotte nie den Mut, ihm ihre Liebe zu gestehen – doch das soll sich heute endlich ändern: Charlotte hat beschlossen, es ihm zu sagen. In ihrem Blumenladen. Denn wer verstünde sie nicht, die Sprache der Blumen? Valentin aber kennt weder die Symbolik von Rosen und Männertreu, noch kapiert er Charlottes zarte Andeutungen. Viel schlimmer: Auch er hütet ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das die Beziehung der beiden in ein völlig neues Licht setzt … Wunderbar humorvoll, mit umwerfendem Wortwitz und vielen mitreißenden Musikstücken geht der französische Autor der ewigen Frage nach: Kann es die vielzitierte platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau geben? Oder fährt die Liebe der Freundschaft immer in die Parade? Und er stellt ein Paar auf die Bühne – hier verkörpert durch die beiden Fernsehstars Isabel Varell und Heiko Ruprecht –, dass dieses Rätsel beinahe gelöst hätte, wäre da nicht Amors Pfeil geflogen gekommen.

BRAND HEISS - GELÖSCHT WIRD SPÄTER

18.04.2020
Komödie von Jette Findeisen 
mit dem Ensemble der Landesbühne Rheinland Pfalz/ Schloßtheater Neuwied 
Regie: Andreas Werth
© Foto: O. Vosshage
Tristesse in Drottelfeld: Die Freiwillige Feuerwehr des Provinznestes steht kurz vor dem Kollaps. Die verbliebenen drei Mitglieder Klaus, Claas und Hans sind vom Glück verlassen. Kein Nachwuchs an jungen Feuerwehrmännern in Sicht, und noch schlimmer: In der Feuerwehrhalle steht kein Einsatzfahrzeug, es existiert nicht mehr. Was droht, ist die Übernahme durch die konkurrierende Feuerwehr aus dem Nachbarort Knülldorf. Höchststrafe! Was tun? Annika, die Tochter von Hans und vermeintlich ein naives Mauerblümchen, entpuppt sich als „Feuerwehrfrau“ der Extraklasse. Sie hat die zündende Idee und setzt sie zusammen mit Ben, einem „Überläufer“ aus Knülldorf, sofort um. Die schüchternen Feuerwehrmänner sollen eine Pole-Dance-Show auf die Bühne stellen. Annika scheucht sie an die Feuerwehr-Rutschstangen, es wird trainiert, geschwitzt und gelitten, bis dass der Arzt kommt! Allmählich werden aus faulen Säcken durchtrainierte Pole-Dancer mit Model-Talent, Mut und akrobatischem Geschick. Nach einem heißen Fotoshooting heißt es schließlich: „Gelöscht … wird später“. Ein komödiantischer Knüller ganz in der Tradition von „Ladys Night“, „Ganze Kerle“ und „Landeier“ – brüllend komisch, da bleibt kein Auge trocken.