Abo B

LADIES NIGHT

13.11.2018
Komödie von Stephen Sinclair & Anthony McCarten 
mit Pascal Breuer, Sebastian Goder u.a. 
Regie: Folke Braband 
Komödie im Bayrischen Hof/ Münchner Tournee

© Foto: LLARocca

Sechs Freunde in einer tristen englischen Industriestadt. Sie sind ebenso talent- wie tatenlos, ohne Arbeit und auch im privaten Leben eher glück- oder gar hoffnungslos. Sie sind nicht schön, nein, sie haben Rettungsringe, sind nicht mehr ganz jung und hühnerbrüstig. Aber inmitten ihrer Misere aus Schuldenbergen und ehelichen Scherbenhaufen fassen sie eines Tages den Entschluss, etwas völlig Neues zu tun, eine neue Existenz zu gründen. Als „Die wilden Stiere“ formieren sie eine Männer–Striptease-Gruppe und bringen die Veranstaltungssäle zum Kochen Die gekonnt täppischen Schritte bis zur Aufführungsreife quittiert das Publikum denn auch mit Begeisterungsrufen, die ihren Höhepunkt erreichen, als sich zum Schluss die alles entscheidende Frage stellt: Haben die nun glamourös kostümierten „Stiere“ genug Courage, die „Chippendales“ zu toppen, indem sie einen Männer–Strip „mit ohne alles“ hinlegen? Vor Jahren war die Verfilmung des Stoffes ein Überraschungserfolg in den Kinos – die Bühnenfassung ist noch direkter, noch komödiantischer. Eine doppelbödige, höchst turbulente Geschichte, die nie die Balance verliert zwischen Entertainment und Alltagstristesse, zwischen Klamotte und Ernsthaftigkeit. In einer Wiederaufnahme ist der Boulevard–Erfolg „Ladies Night“ in einer Inszenierung der Komödie im Bayerischen Hof zu erleben und beweist mit Darstellern wie Pascal Breuer, Sebastian Goder und Torsten Munchow, wie unverwüstlich der Witz der Vorlage und der Charme der arbeitslosen Kneipen–Kumpel ist.

DIE KIRCHE BLEIBT IM DORF

11.12.2018 
Komödie von Ulrike Grote 
mit Sabine Bräuning, Tobias Strobel u.a.
Regie: Christine Gnann 
Württembergische Landesbühne Esslingen

© Foto: WLB
Oberrieslingen und Unterrieslingen liegen mitten im Herzen Schwabens. Doch die ländliche Idylle trügt. Die zwei in „Dauerfehde“ liegenden Dörfer teilen sich einen Friedhof in Unterrieslingen und eine Kirche in Oberrieslingen. Diese Situation sorgt schon immer für Ärger zwischen den Dörfern und speziell zwischen den Familien Häberle und Rossbauer. Aktuell lässt ein Schlagloch auf der Gemarkungsgrenze den Streit weiter brodeln, und als Oma Häberle aus Oberrieslingen in der Nähe des Schlagslochs verunglückt und stirbt, eskalieren die Auseinandersetzungen erneut. Als die Verstorbene auf dem Friedhof in Unterriesling beigesetzt werden soll, haben die Dorfbewohner das Grab ausgerechnet neben dem Komposthaufen ausgehoben! Und als bekannt wird, dass ein reicher Amerikaner die Oberrieslinger Kirche für fünf Millionen als Geschenk für seine Mutter kaufen möchte, verschärft sich die Lage dramatisch. Während die Oberrieslinger schnelles Geld wittern, ist für die Unterrieslinger klar: Die Kirche bleibt im Dorf! Die Zeichen stehen auf Sturm. Doch dann lässt das eine oder andere Geheimnis plötzlich alles in einem anderen Licht erscheinen. Und vielleicht gibt es sogar noch ein Happy End für das Oberrieslinger „Schneggle“ Klara und den Unterrieslinger Jungschweinebauer Peter … Eine frische, skurrile Schwaben–Komödie. Liebevoll nimmt sie die Eigenheiten der schwäbischen Seele auf die Schippe und erzählt nebenbei eine zutiefst schwäbische Variante des Romeo & Julia Stoffes – mehr Posse als realitätsnahes Regionaltheater, doch voller Situationskomik und Wortwitz.

EIN WALZERTRAUM

17.01.2019
Operette von Oscar Straus 
mit dem Ensemble der Operettenbühne Wien
Musikalische Leitung: Prof. Heinz Hellberg
Konzertdirektion Schutte München
© Foto: Claudius Schutte
Wie macht man aus einem ungewollt verheirateten Leutnant einen guten Ehemann? Prinzessin Helene hat sich in Wien in den feschen Leutnant Niki verliebt, und unversehens ist aus beiden ein Hochzeitspaar geworden. Jetzt ist er zwar reich und ein Prinzgemahl, sitzt aber in der Provinz – weit weg von seinem geliebten Wien. Da muss sich Helene einiges einfallen lassen, um den geliebten Niki bei Laune zu halten. Aber nachdem aus den Walzerträumen des widerspenstigen Gatten ein echter Liebestraum für beide Hauptakteure wird, steht auch dem Happy End nichts mehr im Wege. Dem „ Walzertraum“ gebührt zweifellos ein Ehrenplatz im Schaffen von Oscar Straus – berühmt durch den Zauber seiner Melodien und geliebt wegen des besonderen Sentiments, das den Werken von Oscar Straus die ganz typische Stimmungsnote verleiht. Ein leichtfüßiger Ohren- und Augenschmaus ist diese Inszenierung der Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg – erstklassige Solisten, farbenprächtige Kostüme, eine heitere Musik und jede Menge k.–u.–k.–Champagnerlaune. Seit vielen Jahren kommt Heinz Hellberg mit seiner Operettenbühne Wien nach Weinheim und beweist immer wieder, warum er zum Dauereingeladenen geworden ist. Er hat einfach einen Draht zu diesem Genre, bringt die Operette lebendig und ausgelassen auf die Bühne und lässt sie werkgetreu aufführen.

AUERHAUS

22.03.2019
Schauspiel von Bov Bjerg 
mit Charlotte Mednansky u.a. 
Regie: Philippe Besson 
theater junge generation Dresden/ EURO-STUDIO Landgraf

Stückeinführung zu Autor und Thematik des Schauspiels um 19.15 Uhr auf dem Balkon der Stadthalle.
© Foto: Marc Prill
Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht die Aufschrift „Birth–School–Work– Death“ bekommen. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus, das so heißt, weil die Nachbarn von dort ständig den Hit „Our House“ von Madness hören, aber kein Wort Englisch verstehen. Eine Schüler-WG auf dem Land also – unerhört! Aber die Auerhaus–Bewohner wollen nicht nur ihr eigenes Leben leben, sondern vor allem das ihres Freundes Frieder retten, der schon einmal versucht hat, sich umzubringen – und immer noch nicht sicher ist, warum er überhaupt leben sollte. Die Verantwortung teilt sich Frieders bester Freund Höppner mit seiner ab–und-zu Freundin Vera, die weder in Bezug auf Liebe noch auf Eigentum an Exklusivität glaubt. Mit von der Partie sind außerdem Cäcilia, die sich weigert, das Leben ihrer reichen Eltern zu erben, die bildschöne Brandstifterin Pauline und der womöglich schwule Dealer Harry. Das Stück erzählt in einem hinreißenden Sound von der Lust und dem Leid des Erwachsenwerdens, vom Klauen im Supermarkt, von chaotischen Partys, von verbotenen Autofahrten und verständnisvollen Polizisten. Präzise zeichnet es jugendliche Gemütslagen zwischen den bekannten Polen himmelhoch-jauchzend und zu- Tode-betrübt, diffuse Lebensmüdigkeit wechselt mit wilder Partylaune und trifft dabei punktgenau das Lebensgefühl dieser heiteren Melancholie, die die Pubertät seit jeher begleitet. „Auerhaus“ feiert die Unschuld der Provinz, der Jugend und des Moments – aber vor allem die Gemeinschaft. Und in den hier sezierten Lebensknoten lässt sich auch einiges über die alte Bundesrepublik erkennen, die vielleicht nicht unbedingt ein besserer Ort war, aber auf jeden Fall ein anderer. Doch auch diese verrückte, unbeschwerte und manchmal gefährliche Zeit hat einmal ein Ende … Eine intelligent adaptierte Bühnenfassung des Überraschungsbestsellers von 2015, die die Wärme, den Klang und vor allem die Kraft des Romans bewahrt – gutes, unterhaltsames, gefühlvolles Theater. 

DER HAUPTMANN VON KÖPENIK

10.04.2019
Musical nach Carl Zuckmayer 
mit Maximilian Nowka, Juliane Maria Wolf u.a.
HS Theaterproduktion Berlin/ Tournee Theater Thespiskarren
© Foto: Heiko Stang
Eine Musicaladaption von Carl Zuckmayers Klassiker „Der Hauptmann von Köpenick“ – geht das überhaupt? Und wie das geht! Inszeniert wurde ein „Volkstheater-Musical“ im immer wieder höchst originellen Berliner Dialekt, garniert mit viel Hauptstadtkolorit. Die Geschichte ist hinlänglich bekannt, und auch hier stolpert der vorbestrafte Schuster Wilhelm Voigt durch Amtsstuben, Polizeibüros und Kneipen – und durch eine auch im Zivilen erschreckend durchmilitarisierte Gesellschaft, in der Ränge alles sind, in der das Anlegen einer Uniform Wunder bewirkt. Die Inszenierung orientiert sich eng am Drama Zuckmayers und verbindet klassische Elemente des Boulevardtheaters mit den Möglichkeiten des modernen Musicals. Die Kompositionen und Lieder reichen vom Moritatenlied über Musicalsongs und großen mehrstimmigen Ensemblenummern - gespickt mit musikalischen und textlichen Zitaten u. a. von Kurt Weill, Johann Strauß und Heinrich Zille - bis hin zur Jazzmusik im Stil der 20er Jahre. Historische Kostüme, Berliner Originalrequisiten der Jahrhundertwende und das Bühnenbild, u. a. eine morbide preußische Amtsstube, zeigen den Zuschauern das alte Berlin der wilhelminischen Zeit. Das wandelbare Ausstattungsbild bleibt authentisch „old fashion“ und spiegelt in prachtvoller Farbigkeit und großer Liebe zum Detail das historische Ambiente des kaiserlichen Berlins wider. Die Liedtexte, ebenso in Berliner Mundart gehalten, sowie die witzigen Dialoge und schmissigen Orchester–Arrangements entführen die Zuschauer in eine längst vergangene Zeit und lassen dieses neue Berlin–Musical zu einem unvergesslichen Theater–Erlebnis werden.