Abo C

TABU

30.10.2018
Schauspiel nach Ferdinand von Schirach 
mit Tina Eberhardt, Kai Maertens u.a. 
Regie: Eva Hosemann 
Altonaer Theater/Hamburger Kammerspiele 

Stückeinführung zu Autor und Thematik des Schauspiels um 19.15 Uhr auf dem Balkon der Stadthalle.

© Foto: G2Baraniak

2013 erschien von Schirachs Roman „Tabu“ und eroberte sofort die Bestsellerlisten. Der gescheite Erzähler und elegante Stilist stellt in seinem Psycho–Krimi die Frage nach dem Unterschied zwischen Recht und Moral, setzt sich einmal mehr mit unserer Wahrnehmungswelt auseinander und fordert dazu auf, festgeschriebene Denkmuster zu hinterfragen – was unterscheidet die Wahrheit von der Wirklichkeit? Ein zerrissenes Kleid, Blutspuren und ein überlebensgroßes Frauenportrait – das sind die Indizien in einem Mordfall, in dem der erfolgreiche Künstler und Fotograf Sebastian von Eschburg als mutmaßlicher Täter angeklagt ist. Doch von der Leiche fehlt jede Spur! Die grausame Tat hat er lediglich unter Androhung von Folter gestanden. Der komplexe Fall bietet eine besondere Herausforderung für den Strafverteidiger Konrad Biegler. Mittels genauer Recherchen versucht er, den Tathergang zu rekonstruieren. Zugleich stellt sich die Frage, wie weit Strafverfolgungsbehörden bei ihren Ermittlungen gehen dürfen. Gibt es Fälle, in denen es gerechtfertigt zu sein scheint, dem Verdächtigen Folter anzudrohen? Wie gesagt, eine Leiche gibt es nicht, dennoch sprechen alle Beweise gegen den Angeklagten. Das Publikum wird Zeuge einer Reise, eines Prozesses, der vom Dunkel ins Licht, von der Interpretation zu den Fakten, von künstlich geschaffenen Bildern zur Wahrheit führt. Neben den Hauptdarstellern Philip Wilhelmi und der Hamburger Theatergröße Kai Maertens steht in der Inszenierung des Altonaer Theaters auch Barbara Lanz auf der Bühne, die vor allem durch Rollen in verschiedenen Fernsehformaten wie „SOKO Kitzbühl“, „Anna und die Liebe“ sowie der ARD–Telenovela „Rote Rosen“ bekannt ist.

DUUM

29.11.2018
Poetische Aktobatik-Show 
Zirkus-Theater entführt in eine mystische Traumwelt voller Musik, Farben, Rhythmen und Rätsel 
Sonics Italien/EURO-STUDIO Landgraf

© Foto: Charlie Stive Dagna
Das jüngste Zirkustheater–Spektakel der italienischen Gruppe Sonics widmet sich der Poesie der Körper und nimmt die Zuschauer mit in die sagenumwobene Unterwelt Agharta. Mit atemberaubender Athletik und der Schwerkraft trotzender Akrobatik, aufwendiger Bühnenmaschinerie sowie zahlreichen Licht– und Spezialeffekten weben die Artisten gemeinsam mit Anführer und Erzähler Serafino an der mitreißenden Geschichte um die Bewohner Aghartas, die auf der Suche nach dem Glück den Sprung auf die Erdoberfläche schaffen wollen. Nur wenn sie hinter das Geheimnis der richtigen Schwingung kommen, wird der Versuch gelingen, die Dunkelheit des Erdinneren für immer zu verlassen. „Sonics in Duum“ entführt das staunende Publikum in eine mythische Traumwelt voller berauschend schöner Bilder. Farbenreiche Lichteffekte, kraftvolle Musik und ein grandioses Bühnenbild unterstützen die märchenhafte Erzählung des Körpertheaters, das sich in einer unglaublichen Akrobatik höchster Perfektion ausdrückt. Atemberaubend ist die Beweglichkeit der Körper, ob auf dem Boden oder in der Luft, ob an Luftringen oder Vertikalseilen. Tanz, Ballett, Bodenturnen und Luftakrobatik – die Performance setzt die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft und schafft dabei eine magische Kunstwelt, aus der man eigentlich gar nicht mehr raus will. Schon seit einigen Jahren verwandelt die 2001 von Alessandro Pietrolini gegründete, italienische Zirkustruppe Sonics Träume und Leidenschaften in spektakuläre Luftakrobatik–Shows. Bei Theaterauftritten und internationalen Events wie dem Fringe Festival in Edinburgh oder der Eröffnung der Fußball–Europameisterschaften in Kiew beweisen sie immer wieder, dass kreatives Zusammenspiel und hartes Training zu außerordentlichen und bislang unvorstellbaren Ergebnissen führen können. Ihre phantasievolle Zirkus–Performance zeigt Sonics nicht nur in Italien, sondern inzwischen rund um den Globus. Was für eine Show! Was für ein fulminanter Abend!

HEILIG ABEND

28.02.2019 
Schauspiel von Daniel Kehlmann 
mit Jacqueline Macaulay und Wanja Mues 
Regie: Jakob Fedler 
EURO-STUDIO Landgraf

Stückeinführung zu Autor und Thematik des Schauspiels um 19.15 Uhr auf dem Balkon der Stadthalle.
© Foto: Gio Loewe
Es ist der 24. Dezember, halb elf Uhr abends. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Genau 90 Minuten hat der Verhörspezialist Thomas Zeit, um von einer Frau namens Judith zu erfahren, ob sie tatsächlich, wie er vermutet, um Mitternacht gemeinsam mit ihrem Ex-Mann, der schon seit fast zwölf Stunden im Nebenzimmer befragt wird, einen terroristischen Anschlag verüben will. Sie wurde auf dem Weg zu ihren Eltern aus einem Taxi geholt und zur Polizeistation gebracht. Ermittler Thomas weiß offensichtlich alles über sie, über ihre Arbeit, über ihre gescheiterte Ehe und ist auch über den Tagesablauf der Philosophie– Professorin informiert. „Wo ist die Bombe?“ fragt Thomas. „Das ist ja alles ganz nett, dass wir uns unterhalten, dass wir uns ein wenig kennenlernen konnten. Aber jetzt müssen wir zur Sache kommen.“ – Judith: „Welche Bombe?“ Thomas will Judith ein Geständnis abpressen. Unaufhaltsam tickt die Uhr. Doch Judith beginnt, den Staatsdiener ihrerseits mit Fragen in die Enge zu treiben. Sind das alles nur Worte und Theorien, oder ist Judith tatsächlich zur Gewalt bereit? Was hat das Paar einst in Südamerika gemacht, und was hat es mit dem Bekennerschreiben auf ihrem Computer auf sich? Die Situation spitzt sich zu. Und die Zeit läuft … In Daniel Kehlmanns, Autor der erfolgreichen Romane „Die Vermessung der Welt“ und „Tyll“, politisch hoch aktuellem Stück gibt es in nicht einer einzigen Minute das im Titel suggerierte besinnliche Fest. Seine Sprengkraft gewinnt der Text aus der Kollision zweier Standpunkte, die auf je eigene Weise an aktuell drängenden Problemen rühren. In beiden Fällen stellt sich die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Wie weit darf einerseits der Staat dabei gehen, Grundrechte im Namen der allgemeinen Sicherheit zu verletzen? Und wann ist damit andererseits ein Punkt überschritten, ab dem sich Bürger - notfalls mit Gewalt – gegen diesen Staat zur Wehr setzen können. Man muss das kleine Requiem auf unsere liberalen Denk- und Lebensgewohnheiten auch als das nehmen, was es ist: ein tadelloses Stück Theater, ein well–made–play. Und weil sich der Autor Sympathien und einfachen Worten entschlägt, ist der Zuschauer aufgefordert, sich auseinanderzusetzten. Etwas Besseres kann Theater kaum leisten.

OSKAR SCHINDLERS LISTE

29.03.2019
Schauspiel nach einer wahren Geschichte 
mit Stefan Bockelmann u.a. 
Dramaturgie: Florian Battermann 
Landesbühne Rheinland Pfalz/ Konzertdirektion Hannover

Stückeinführung zu Autor und Thematik des Schauspiels um 19.15 Uhr auf dem Balkon der Stadthalle.
© Foto: Landesbühne Rheinland-Pfalz
1939: Mithilfe jüdischen Kapitals gelingt es dem cleveren Geschäftsmann Oskar Schindler, in Krakau eine enteignete Emailfabrik zu kaufen, die fortan Feldgeschirr für den sich anbahnenden Krieg herstellt. Um seinen Profit zu maximieren, setzt er äußerst billige jüdische Arbeitskräfte ein. Schindler, Nationalsozialist und schlitzohriger Lebemann, versteht es zu repräsentieren, Geschäftskontakte zu knüpfen, ist aber in Fragen der Organisation auf seinen versierten Buchhalter Itzhak Stern angewiesen. Stern, dem freie Hand gelassen wird, nutzt dies, um möglichst vielen Juden, zumeist solchen, die aufgrund ihrer akademischen oder künstlerischen Vergangenheit oder einer Behinderung für die Industriearbeit nicht in Frage kommen, einen Arbeitsplatz in der Fabrik zu verschaffen. 1943 werden die Überlebenden des Krakauer Gettos in das Arbeitslager Krakau–Plaszów überführt. Hier erlebt Schindler mit, wie die Insassen auf unmenschliche Art und Weise behandelt werden, wie Wachsoldaten willkürlich Menschen erschießen. Dann soll auch dieses Lager geschlossen werden, und die noch lebenden Juden zur Liquidierung nach Auschwitz transportiert werden. Er entschließt sich, gemeinsam mit Itzhak Stern eine Liste zu verfassen, die über Leben und Tod entscheidet – die ausgewählten Juden sollen einer von Schindler betriebenen Firma zugeführt werden. Ab jetzt verwendet er sein Vermögen darauf, so viele Juden auf welche Art auch immer als Arbeitskräfte zu kaufen und damit zu retten. Auf der Bühne war dieser Stoff bislang noch nicht zu sehen – dramaturgisch und szenisch sicher keine leichte Aufgabe. In 18 Szenen nimmt die Theateradaption das Publikum mit auf die „Reise“ Oskar Schindlers und „seiner Juden“, die 1939 begann und 1945 endete. Die Konzeption des Bühnenbildes wird dabei den schnellen Ortswechseln ebenso gerecht, wie den immer wiederkehrenden Zeitsprüngen. Die Inszenierung ist ganz bewusst keine Kopie der Steven Spielberg Verfilmung, hier wird mit den besonderen Mitteln der Bühne gearbeitet, und das Live–Erlebnis einer Theateraufführung ist in der Lage, bei dem Betrachter eine besondere Form der Empathie auszulösen, um so über das Erleben des eigentlichen Stückes hinaus das Nachdenken, die Anteilnahme anzuregen.

KLANGZAUBER KLASSIK

17.04.2019
Klassisches Konzert 
bekannte klassische Meisterwerke mit dem Streichorchester des Sorbischen National-Ensembles
© Foto: SNE
„Klangzauber Klassik“ ist ein famoses klassisches Konzert mit einer Mischung bekannter Sinfonik und sorbischen Raritäten, interpretiert vom Orchester des Sorbischen National– Ensembles. Das Orchester musiziert auf einem hohen musikalischen Niveau, verfügt über eine gewachsene künstlerische Tradition und spielt in der Besetzung Streicher, Solo-Violine, Cembalo, Hörner und Oboen, wobei das Programm fachkundig und charmant moderiert wird. Als Vertreter der europäischen Klassik erklingt Mozarts Sinfonie Nr. 29 A-Dur. Das Werk gilt als Meilenstein im sinfonischen Schaffen des Komponisten und hat sich schon längst auf den internationalen Konzertbühnen etabliert. Dazu gesellen sich Jan Paul Nagels „Sorbische Tänze“. Sie gehören zu den populärsten Werken des sorbischen Komponisten. Nagels Schaffen zeichnet sich besonders durch die Verbindung sorbischer Folklore mit der Musik des 20. Jahrhunderts aus. Mit Karl Jenkins „Palladio“ besticht das Programm mit einer weltbekannten Filmmusik, die mit Finesse und eingehender Melodik glänzt. Im großen Finale führt das Orchester des Sorbischen National–Ensembles durch Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Die vier Violinkonzerte sind fest im Repertoire großer Konzertgeiger verankert und verbreiten ihren ganz eigenen Klangzauber. Ein Programm mit vielen berührenden Momenten, ein intensives Klangerlebnis mit Anspruch und hohem Unterhaltungswert.