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SOMMERABEND

08.10.2018

Komödie von Gabriel Barylli 
mit Jutta Speidel, Daniel Friedrich u.a.
Regie: Gabriel Barylli 
Komödie im Bayrischen Hof/ Münchner Tournee

© Foto: Barbara Volkmer

An einem Sommerabend treffen sich zwei Ehepaare, deren Kinder demnächst heiraten. Der Vater des Bräutigams Martin ist Chirurg, die Mutter findet Gefallen am Leben als Hausfrau. Der Vater der Braut Maria ist ein inzwischen erfolgloser Dichter, die Mutter Moderatorin beim Fernsehen. Die zukünftigen Schwiegereltern wollen sich kennenlernen, aber mit jedem Glas Wein zeigen sich mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten, was die Vorstellungen von Ehe, Familie und Werte im Allgemeinen betreffen. Die bürgerlichen Konventionen an Scheinhöflichkeiten beginnen zu erodieren, verwandeln sich in haltlose Unverschämtheiten bis hin zu gegenseitigem Betrug. Aus einem netten Grillabend wird eine Schlammschlacht, bis schließlich die Hochzeit der Kinder selbst in Frage gestellt wird. Als dann das verliebte Brautpaar eintrifft, beginnt ein süffisantes Spiel der Scheinheiligkeit und Doppelmoral. Schwerstarbeit für die beiden „Kinder“, die Ehen ihrer Elternpaare vor der völligen Zerrüttung zu bewahren, um ihr eigenes Glück zu retten ... Mit „Sommerabend“ beweist Gabriel Barylli einmal mehr seine Meisterschaft, Höhen und Tiefen zwischenmenschlicher Beziehungen spielerisch und humorvoll auszuloten – Gelegenheit genug für die excellenten Darsteller – Jutta Speidel, Carin C. Tietze, Daniel Friedrich, Ralf Komorr u.a. –, ihr Können unter Beweis zu stellen.

LET IT SNOW

07.12.2018
Musikalischer Adventsabend 
mit Christoph Schobesberger, Lynne Willliams und Band 
Konzertdirektion Claudius Schutte München

© Foto: Christoph Giese
Mit seiner “Frank Sinatra Gala“ begeisterte Christoph Schobesberger bereits in zahlreichen Theatern und Konzerthäusern sein Publikum. Der ehemalige Wiener Sängerknabe, bekannt auch als Oberarzt Dr. Stein aus der Serie „Für alle Fälle Stefanie“, hat nicht nur in vielen Filmen und auf großen Bühnen gespielt, sondern vor allem auch eine große Leidenschaft für Musik entwickelt. Mit seinem Programm „Let It Snow“ präsentiert Christoph Schobesberger mit seiner Partnerin Lynne Williams und musikalisch glänzend unterstützt durch eine vierköpfige Band ein vorweihnachtliches Programm der besonderen Art. Dabei sind deutsche sowie internationale Weihnachtslieder und Songs – von „Es ist ein Roś entsprungen“, „Go, Tell It On The Mountain“, „Winter Wonderland“ über „White Christmas“ oder „I Heard The Bells On Christmas Day“ u.a. bis hin zu Hits von Barry Manilow und Frank Sinatra - zu hören. Ganz nebenbei überraschen die Sänger zwischen den einzelnen Liedern mit kleinen, bezaubernden Geschichten, humorvollen Anekdoten und nachdenklichen Zwischentexten – natürlich hier speziell weihnachtlicher Art – und runden damit den Abend auf besinnliche Weise ab. Vorgetragen werden u. a. Werke von Wilhelm Busch und Hans–Dieter Hüsch oder die wunderbare Geschichte „Ochs & Esel“ von Dino Buzatti. Ein Abend, der das Publikum mit Herz und Verstand auf das Weihnachtsfest einstimmt, der mit Gefühl und Charme die Vorweihnachtszeit begleitet.

WUNSCHKINDER

24.01.2019 
Schauspiel von Lutz Hübner/Sarah Nemitz 
mit Martin Lindow, Claudia Wenzel u.a. 
Regie: Volker Hesse 
EURO-STUDIO Landgraf
© Foto: Konzertdirektion Landgraf
Vier Monate nach dem Abi besteht Marcs Leben aus schlafen, essen, kiffen und feiern. Seine Eltern sähen es gerne, wenn er sich um seine Zukunft kümmern würde, aber Marc findet, dass das bis später warten kann. Dann lernt er Selma kennen. Sie macht eine Ausbildung, hat zwei Jobs, holt ihren Abschluss an der Abendschule nach und umsorgt ihre psychisch kranke Mutter. Sie hat einen guten Einfluss auf Marc – finden dessen Eltern. Doch dann wird Selma schwanger. Marcs Eltern schalten direkt in den Problemlösungsmodus, doch damit beginnen die Konflikte erst … „Wunschkinder“, die „Fortsetzung“ des Theaterhits „Frau Müller muss weg“, ist noch keine zwei Minuten alt, da sind die Zuschauer bereits mitten drin im Grundkonflikt, dem Nervenspiel der Generationen, von dem die Autoren pointiert erzählen. Das Publikum folgt mit Interesse und verständnisinnigen Reaktionen dem Gang der Handlung: Solche handfesten Themen hat daheim am Küchentisch schon mancher durchgekaut. Mit seinen Stücken, die zu den erfolgreichsten der Gegenwart gehören, beackert das Autorenpaar ein ergiebiges Feld zwischen Boulevardkomödie und Problemstück. Die Figuren und Themen sind immer realistisch und aktuell, die Dialoge sind dem Leben abgelauscht, und die Konflikte sind genau beobachtet, süffisant–zugespitzt. Ein Stück aus der Hölle der Helikopter–Eltern – geistreich, witzig, ernsthaft und mit Rollen, die den Schauspielern – Gerit Kling, Martin Lindow u.a. - sichtbar eine Riesenfreude machen.

RAPUNZELGRAB

22.02.2019
Krimi nach dem Bestsellerroman von Judith Merchant 
mit Vanessa Fraunkenbach u.a. 
Inszenierung: Andreas Lachnit 
Landesbühne Rheinland Pfalz/ Schlosstheater Neuwied
© Foto: Landesbühne Rheinland-Pfalz
Ein Mord wie im Märchen – das ist der erste Eindruck den Kommissar Jan Seidel und seine Kollegin Elena von der malerisch drapierten Leiche am Fuß des düsteren Rheinbacher Hexenturms haben. Doch der Mörder hat die tote junge Frau nicht nur mit langen blonden Rapunzelzöpfen ausgestattet, er scheint auch ganz genau zu wissen, dass sein Opfer an einer rätselhaften Krankheit litt: dem Rapunzelsyndrom. Im Umfeld der Toten bekommen es Jan und Elena mit einem eigenartigen Kreis exzentrischer Schriftsteller und Literaturliebhaber zu tun. Wer hatte einen Grund, die beliebte junge Frau zu töten? Niklas Schreck, der Star-Schriftsteller, der mit einer Schreibblockade kämpft und offenbar ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit verbergen möchte? Ruth Grosche, die Literaturkreis-Vorsitzende, die mit der Toten befreundet war und mehr weiß, als sie sagen möchte? Nessi Zobel, die mädchenhafte Krimiautorin aus Bonn, die dem Kommissar mit Leichtigkeit den Kopf verdreht und doch über Täterwissen zu verfügen scheint? Oder Benedikt Völler, der sympathische Science-Fiction-Fan und Ex-Freund der Toten? Und dann ist da noch der geheimnisvolle Gegenstand, den die junge Frau selbst im Tod fest umklammert hält. Zum Glück wird Kommissar Seidel von seiner Oma Edith tatkräftig unterstützt, mit der er seit einiger Zeit in einer vergnüglichen WG in Königswinter zusammenlebt. Vor der atemberaubenden Kulisse des Drachenfelsen mischt sich die „Rheinische Miss Marple“ beherzt in die Ermittlungen ein und bringt die Kommissare schließlich auf die entscheidende Spur. Der dritte Fall von Judith Merchants Rheinkrimi- Serie, präsentiert in einer Uraufführung der Landesbühne Rheinland-Pfalz/Kleines Theater Bad Godesberg, verspricht Witz, Spannung und viel Lokalkolorit.

KONSTELLATIONEN

07.03.2019
Schauspiel von Nick Payne 
mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns 
Renaissance Theater Berlin
© Foto: Daniel Devecioglu
Was wäre, wenn ich eine andere Entscheidung getroffen, etwas anderes gesagt hätte, um eine andere Ecke gebogen wäre? Wäre alles anders, wenn ich früher bzw. später bzw. gar nicht …? Leider kann man nie wissen, was sich verändert hätte, wenn … Schließlich hat man nur das eine Leben, den einen Moment. Aber als Gedankenspiel ist es reizvoll, wenn man alle Möglichkeiten durchspielt und die lineare Folge von Aktion und Reaktion aushebelt. Und genau das passiert auf äußerst witzige Weise in „Konstellationen“. Marianne ist Quantenphysikerin, Roland ist Imker. Ihre Liebesgeschichte von der anfänglichen Leidenschaft über den ersten Seitensprung bis hin zum „Dass-der-Tod-euch-scheidet“ könnte eine übliches Beziehungsdrama sein, würde nicht Mariannes Forschungsgebiet auf überraschende Weise die Handlungsentwicklung bestimmen. Angenommen, es gäbe eine überschaubare Anzahl von Paralleluniversen, die sich bei jeder gefällten Entscheidung weiter verzweigen, so würde auch unser Leben in unendlich vielen Varianten existieren. Dieser Theorie folgend, entwickelt Nick Payne eine originelle Dramaturgie für Konstellationen, indem er dasselbe Geschehen immer wieder anders erzählt, in den einzelnen Szenen zurückspringt und alternative Entwicklungen ausprobiert. So kann es passieren, dass sich Marianne und Roland in einer Variante ihrer ersten Begegnung so unsympathisch sind, dass sie es nur zwei Minuten miteinander aushalten. Es scheint, als müsste sich das Paar erst durch einige Universen hindurch an verkorksten Anfängen und falschen Abzweigungen vorbeitasten, bis sie bei ihrer gemeinsamen Geschichte ankommen, die uns dann erstaunlicherweise als die ultimative und paradigmatische Liebesgeschichte erscheint. Ein solches Stück ist großes Schauspielerfutter, und seine intellektuelle Grundierung ist beeindruckend. Die britische Presse vergleicht Paynes Drama mit den Werken von Tom Stoppard, Michael Frayn und Caryl Churchill zu ihren besten Zeiten. Keine Frage, ein ideales Terrain für zwei souveräne Darsteller, die über Nuancenreichtum des Ausdrucks und eine differenzierte Skala sprachlicher Gestaltung verfügen. Suzanne von Borsody und Guntbert Warus dabei zuzuschauen, wie sie bei Marianne und Roland immer neue Facetten aufleuchten lassen, ist uneingeschränkt sehens- und bestaunenswert.